Innen ein Loch

Ich gehe durch unseren Obstgarten. Meine Füße rascheln schon, braune Blätter liegen auf dem Gras. Und Äpfel, so viele Äpfel. Sie sind klein und vorzeitig gefallen. Es ist einfach zu trocken gewesen in diesem Sommer. Doch einige vom ersten Baum ganz vorn sehen doch gut aus. Erfreut lese ich zwei Äpfel auf, beiße hinein – und spucke alles wieder aus. Was so schön gelb und rot im Gras leuchtete, ist innen verdorben und madig. Igitt! Die Trockenheit hat ihre Folgen, nicht nur äußerlich, auch innendrin.

Was für Äpfel gilt, sehen wir auch bei den Menschen. Wenn man einem Kind zu wenig Essen gibt, entwickelt sich der Körper nicht richtig. Es bleibt dünn und klein, der Kinderarzt benutzt den Begriff „mangelversorgt“. Wenn es für ein kleines Kind zu wenig Liebe gibt, zu wenige Stunden auf dem Schoß mit einem Buch, zu wenige Scrabble-Nachmittage, zu wenig Zeit für ein gemeinsames Sandkastenprojekt, dann verkümmert die Seele. Die Kinder haben dann innen ein Loch, das nicht gefüllt wurde – denn Fernseher und Spielekonsolen sind keine echten Bezugspersonen.

Viele Leute wissen von dem berühmten Experiment, wo man Waisenkinder (Babies) aufnahm und fütterte und wickelte – aber die Pflegerinnen durften nicht mit den Kindern kuscheln, sprechen oder singen. Man wollte die „Ur-Sprache“ der Menschheit erforschen. Alle Kinder in diesem Experiment verstarben früh. Wir überleben tatsächlich nicht ohne Nähe, ohne Zuwendung, ohne Gespräch.

Natürlich haben wir Erwachsenen oft gelernt, unsere inneren „Löcher“, unseren Mangel, zu kaschieren. Wir entwickeln Strategien und Verhaltensmuster, die uns helfen, in der Gesellschaft zu funktionieren. Das ist das ansprechende Äußere des Apfels. In der Regel läuft das eine ganze Zeit ziemlich erfolgreich – bis es zu Situationen kommt, in denen diese Hilfsmaßnahmen nicht mehr greifen. Es fühlt sich an wie bei einem Kinderspiel: Du bist im Schwimmbad und jemand wirft dir Luftballons zu. Du fängst einen, zwei, noch mehrere und drückst sie erfolgreich unter Wasser. Aber ein weiterer Ballon ist dann doch zu viel: Und plötzlich schießen alle Ballons aus dem Wasser heraus.

Plötzlich ist sozusagen das (kaputte) Innere des Apfels zu sehen – und keiner weiß, woher die ganzen Probleme so unvermutet kommen.

Gerade für die schwierigen Zeiten im Leben bietet uns Gott, der unser Leben in seiner Hand hat, Gutes an. Die Bibel nennt es das „Wasser des Lebens“. Lebendige Worte, kraftvolle Hilfe, echten Trost können wir finden, wenn wir ehrlich nach Gott fragen. Ein Mann namens Paulus ermutigt seine Freunde so: „Mein Gott wird auch euch aus allem Mangel helfen. Weil ER reich ist an Herrlichkeit!“ (im Brief an die Gemeinde in Philippi). Was für eine Aussage! Sie macht mir Mut, mich an die inneren Folgen meiner eigenen Dürre zu wagen. Wenn ich selbst zu wenig habe – Gott hat immer genug.