Wie die Kinder

Wir sind auf dem Spielplatz. Unser Jüngster (4) klettert in einen Baum, der neben den Spielgeräten steht. Man hört ihn ächzen und stöhnen, die Äste bewegen sich wild. Dann Stille.

Sein Freund (1. Klasse) spielt neben mir im Sand. Dann bewegt sich der Baum wieder und man hört aus dem grünen Laub einen Ruf: „Gott, hilf mir!“ Ich sehe hinüber und rufe zurück: „Alles in Ordnung da oben?“ „Ja. Nein… Ich komm nicht runter!“ „Das schaffst du schon, du musst mit den Augen klettern. Und immer nachfassen.“ Mein Sohn kennt diesen Rat, das Geäst wackelt weiter, doch durch die dichten Blätter kann ich ihn nicht sehen.

„Du, warum ruft er Gott?“, fragt sein Freund neben mir. Ich erkläre dem Jungen, dass weder er noch ich unserem Kleinen jetzt helfen können. Der Baum ist hoch, die Äste dicht und der Kletterer auf sich selbst gestellt. „Da ist es doch gut, wenn wir uns an Gott wenden können. Er sieht ja alles und hilft uns gern.“

Der Junge sieht mich zweifelnd an. „Aber man sieht ihn doch gar nicht?“ Nein, das stimmt wohl. Aber: „Deine Mama siehst du ja auch gerade nicht und doch bist du ganz sicher, dass sie da ist. Mit dem Handy kannst du sie jederzeit erreichen, stimmts?“ „Jaaaa.“ „Und so ist das Beten. Wir rufen zu Gott und er hilft.“

In diesem Moment kracht etwas neben uns und unser Sohn kommt aus dem Gebüsch gekrochen. „Hat ja doch geholfen!“, staunt sein Freund. „Was denn?“, fragt unser Jüngster. Er hat vom Gespräch unter dem Baum nichts mitbekommen. „Wollen wir rutschen? Los, komm!“ Und weg sind sie.

Es gibt verschiedene pädagogische Ansätze, die die Erwachsenen motivieren wollen, von den Kindern zu lernen. Manches davon erscheint uns fast lebensfremd, denn Kinder brauchen auch Schutz, Anleitung und Bildung – Dinge, die sie nicht allein in sich selbst finden können.

Und doch bin ich sicher, dass Jesus etwas Ähnliches wie oben beschrieben meinte, als er seinen Freunden Mut machte und sie ermahnte: „Wenn ihr nicht umkehrt und so werdet wie diese Kinder, werdet ihr nicht in Gottes Reich hineinkommen.“ (Markusevangelium, Kapitel 10)

Wie die Kinder: Einfach so um Hilfe bitten. Einfach so darauf vertrauen, dass die Hilfe auch kommt. Einfach so weitergehen, aber mit einer positiven Erfahrung im Handgepäck.

Das geht leider nicht über unseren erwachsenen Kopf (Sicher stimmen Sie mir zu, dass Erwachsene Probleme in anderen Größenordnungen haben, die oft nicht leicht zu lösen sind.) Und doch: Die Notlage eines Kindes, dass den Weg zurück nicht findet ist vielleicht wirklich vergleichbar mit einer finanziellen, gesundheitlichen oder familiären Notlage, die uns Erwachsenen momentan unlösbar scheint.

Gott sagt: ICH BIN DA. Er sagt es zu mir, zu einem Kind und auch zu Ihnen. Probieren Sie doch aus, ob es stimmt! Einfach so.