Helfen

„Das musst du dir mal vorstellen: Da kamen sie morgens um 5 Uhr bei uns an, am Sonntag! Und dann war an dem angebotenen Quartier nichts gut genug. Die Zimmer zu kalt und zu klein, das Shampoo nicht das richtige, die eingekauften Lebensmittel ungewohnt usw. Man sollte denken, sie freuen sich, dass sie nun hier in Deutschland sind!“

Auf meine vorsichtige Frage, wie mein Gegenüber sich wohl fühlen würde nach einer tagelangen Flucht aus dem Luftschutzkeller durch polnische Wälder mit Bahn und Auto und mehreren Tagen Schlafentzug, zwei kleine Kinder an der Hand… bekomme ich nur ein Schulterzucken.

Klar, wir wollen gern helfen. Aber wenn eine junge Frau dann unbedingt ein Smartphone haben möchte, dann ist das doch wohl zuviel verlangt. Ist es? Wie soll sie denn nach Hause telefonieren, wenn die ukrainischen Server nicht funktionieren? Sie macht sich natürlich Sorgen, ob ihr Mann (und Vater des 2 Monate alten Jungen auf ihrem Arm) noch am Leben ist. Und jeder von uns Deutschen hat doch wohl auch ein Smartphone? Wo ist da das Problem?

Das Problem besteht wohl darin, dass wir uns anmaßen, anderen Menschen zu sagen, was gut ist für sie. Wir erwarten von ihnen Dinge, die uns nicht zustehen: Dankbarkeit, sofortige Anpassung an unsere Auffassungen und Lebensgewohnheiten, Sprachkenntnisse usw. Wie kommen wir dazu, das zu erwarten?

Die Menschen, die jetzt auf der Suche nach Sicherheit in unser Land kommen, haben nicht darum gebeten, hier zu sein. Sie hatten ein schönes Zuhause, Geld, eine gute Arbeit, Familie, vielleicht ein dickes Auto. Warum sollten sie dankbar sein, nun hier mit 500 anderen Mensachen in einer Turnhalle schlafen zu müssen?

Es scheint doch eher so, dass wir unsere Motive zu helfen, ernsthaft hinterfragen müssen. Stört es uns, wenn keiner sieht, was wir Gutes tun? Es gibt ja auch eine Menge Leute, die gar nichts tun. Sie spenden nicht, sie sammeln keine Kleidung, sie stellen keinen Wohnraum zur Verfügung. Sind das nun schlechte Menschen?

Die Bibel sagt, es geht beim Helfen nicht um uns. Tatsächlich geht es um die Frage, was wir tun, WENN einer unsere Hilfe braucht. Jesus sagt in dem Beispiel vom barmherzigen Fremden (Samarien war damals das unbeliebte Nachbarland): Wenn du meinst, er hat das Richtige getan, dann geh hin und mache es genauso. Und damit endet sein Beitrag, nachzulesen bei Lukas 10 ab Vers 29. So einfach ist das für Jesus. Wäre es nur auch für uns so leicht. Warum versuchen wir es nicht einfach?

Lasst uns nicht helfen, um anderen Menschen zu sagen, was sie brauchen oder was ihnen nicht zusteht.

Lasst uns nicht helfen, weil wir uns dann gut fühlen und so barmherzig.

Lasst uns nicht helfen, weil uns die Geflüchteten dann dankbar sein müssen.

Lasst uns tun, was getan werden muss – und das kann für jeden von uns etwas anderes sein. Und damit ist es dann auch gut. Lasst uns froh darüber sein, dass wir so gut dastehen, dass wir helfen können. Wir haben oft mehr als wir selbst brauchen und können gut abgeben. Das ist doch auch unverdient, ein Segen Gottes (Übrigens kommt auch unsere Gesundheit, unsere Arbeitskraft, unsere Fähigkeiten von Gott. Keiner kann sich das Erreichte ganz allein selbst zuschreiben.) Segen ist für alle Menschen da, lasst uns ihn also weiter schenken. Sicher gibt es gleich heute eine gute Gelegenheit.