Krieg

Sie ist 85 Jahre alt, fast 86. Weinend steht sie in unserem Hausflur. „Du musst entschuldigen“, sagt sie. „Es ist so lange her, aber wenn ich die Nachrichten sehe und die vielen Frauen und Kinder auf der Flucht, dann muss ich an meine Kindheit denken. Es ist alles wieder da.“

Sie war 8 Jahre alt, als Deutschland den 2. Weltkrieg verlor und die deutschen Bewohner in Westpreußen ihre Heimat verlassen mussten. Ihre Mutter, die Großmutter, drei kleine Kinder – alle auf dem Pferdewagen Richtung Westen. Immer weiter weg von der Heimat, auf der Suche nach Sicherheit für Leib und Leben. Der Vater? Im Krieg.

Es ist wieder Krieg, fast vor unserer Haustür. Wieder sind vor allem Kinder, alte Menschen und Frauen die, die das Leid der Vertreibung ertragen müssen. Die Ungewissheit, ihre Lieben jemals wieder zu sehen. Die Gewissheit, dass das eigene Haus, die Schule, der Arbeitsplatz zerstört sind.

Was ist los mit dieser Welt?

Die Antwort ist einfach: Nichts ist los, alles ist wie immer. Wie zu allen Zeiten und auf den verschiedenen Kontinenten gibt es zwischen Menschen Neid, Hass, Habgier. Größenwahn, Machthunger – suchen Sie sich eine Vokabel aus. Streit und Zank gibt es zwischen Verwandten und Nachbarn, seit Kain und Abel ist das so. Unsere „Kriege“ tragen wir im Kleinen aus und nehmen sie oft nicht als solche wahr. Doch nun haben Menschen mit viel Macht Streit angefangen und die Folgen reichen weit. Jetzt stehen die Panzer nur noch ein Land weit weg von unserer eigenen Heimat, unser Bewusstsein für die Gefahr ist sprunghaft gestiegen.

Die Bibel sagt: Wenn Gott, der Lebendige, dein Gott ist, dann musst du nicht neidisch sein, du musst nicht stehlen, du musst nicht morden. Das steht in den 10 Geboten, die Gott dem befreiten Volk Israel gab. Diese guten Regeln sollten helfen, die Freiheit zu schützen und das neu gewonnene Leben zu gestalten.

Umkehrschluss: Wenn Gott, der Lebendige, nicht dein Gott ist, dann mach, was du willst.

Ist es nicht das, was wir heute erleben? Ich denke schon, dass es da Zusammenhänge gibt. Bin ich Gott, dem Lebendigen, zugewandt, gehöre ich zu seiner Familie. Bin ich frei geworden von Schuld durch das Opfer seines einzigen Sohnes Jesus, dann werde ich diese Freiheit versuchen zu bewahren. Ich werde so leben wollen, dass ich in Gottes Reich hinein passe, dort zu Hause bin.

Und das ist es, was diese Welt braucht: Menschen, die voller Hoffnung, Kraft und Trost hinein gehen in das Chaos und das Licht mit sich tragen. Gott rettet, er befreit – damals aus Ägypten, im Römischen Reich, im Mittelalter, heute. Er will ja, dass viele zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Menschen, die das erlebt haben, die können das selbst auch tun. Sie gehen hin und trösten, helfen, heilen, retten. Sie bekleiden die Nackten, besuchen die Gefangenen, speisen die Hungrigen, beherbergen die Heimatlosen. Gleich heute.

Die alte Dame wischt sich die Tränen ab und sagt: „Ich werde gleich mal gehen und sehen, was ich zusammenpacken kann. Diese armen Menschen brauchen doch jetzt einfach alles.“ Und schon ist sie weg, unterwegs im Auftrag des lebendigen Gottes, zu dessen Familie sie gehört.