Alles neu?

Es hat geschneit. Alles ist weiß zugedeckt. Man sieht nicht auf den ersten Blick, was darunter ist. Ein Feld? Ein Weg? Ein Blumenbeet?

Diese „Unsichtbarkeit“ ist gefährlich, wenn man den Weg sucht. Man kann im Graben landen.

Diese „Unsichtbarkeit“ ist barmherzig, wenn man den Novemberdreck satt hat und noch nicht bereit ist für das erste Schneeglöckchen im Februar.

Diese „Unsichtbarkeit“ ist verführerisch – zu glauben, alles wäre möglich. Alles wäre unberührt, wäre neu zu entdecken.

Wer von uns kennt sie nicht, die trügerischen Gedanken, das neue Jahr würde nagelneu beginnen und wir hätten alle Chancen das Versäumte des letzten Jahres nachzuholen? Wer schon etwas älter ist und Lebenserfahrung hat, der weiß – es ist leider nicht so. Vieles nehmen wir aus dem alten Jahr mit hinüber, der Kalender füllt sich schon im September mit Terminen für Januar, März, April…

Das Neue, Unberührte ist also doch nur eine Illusion, ein Traum, der sich nicht erfüllt? Nein, es ist nicht ganz so. Zwei Gedanken dazu: 1) Jesus gibt uns in diesem scheinbaren Hamsterrad unserer Lebenszeit, das unentwegt weiter dreht, einen ganz praktischen Rat, aufgeschrieben in der begrpredigt. Das ist eine Sammlung von Lebensgestaltungstipps für Menschen, die sich nach Gottes Willen richten möchten. „Lass jeden Tag seine eigene Plage haben. Wenn du dir Sorgen machst wegen übermorgen oder wegen nächster Woche – was ändert das?“ (Matthäus 6,34) Lebe jeden Tag so gut und so ernsthaft und so fröhlich wie möglich. Nimm die Verantwortung wahr, die dir heute gegeben ist. Was morgen ist, werden wir morgen sehen.

Und 2) „Ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21). Auch das ist eine Aussage Jesu, allerdings stammt die aus einer Offenbarung, einer Vision. Die hatte sein Freund Johannes, als Jesus schon längst zum Himmel zurück gegangen war. Jesus zeigt ihm darin einige Dinge über das Ende der Welt, über Gericht und Gnade, über Rettung und Verderben. Und mittendrin dann dieses Wort: „Ich mache alles neu! Ihr werdet es sehen.“

Das Neue, das Unberührte – es ist also möglich. Es ist versprochen. Was ist das für eine Hoffnung, die uns hier angeboten wird. Es wird kommen! Keine Angst mehr, kein Schmerz, kein Weinen. Es kommt für die, die sich auf Gottes Hilfe verlassen, die auf seinen Trost hoffen, die seine Kraft brauchen.

Tatsächlich und echt: Alles neu!