Gewartet

Endlich! In unserer Familie nehmen wir die Wartezeit sehr ernst. Wir warten z.B. tatsächlich bis nach dem Ewigkeitssonntag mit dem Plätzchenbacken. Erst am Samstag vor dem 1. Advent wird das Haus geputzt und nur der, der dabei geholfen hat, darf auch die Weihnachtskiste mit auspacken. Wir warten mit den Schokolade-Nikoläusen bis zum 6.12. und wir warten mit den Mandarinen bist zum 1. Dezember. Interessanterweise hat keiner damit ein Problem, nicht mal die ganz Kleinen.

Wir feiern sozusagen bereits das Warten auf das Warten – der Advent ist ja die Wartezeit schlechthin. Laut Kirchenkalender ist es eine Fastenzeit, eine Vorbereitungszeit. Warten auf Weihnachten. Warten auf den Geburtstag. Wie oft müssen wir noch schlafen? Wie viele Türchen noch öffnen?

In unserem Alltag hat das Warten keinen großen Stellenwert mehr. An der Kasse stehen drei Leute vor mir? Ich rufe laut, damit noch eine Kasse geöffnet wird. Warten bis zur Ehe mit dem Sex? Seid ihr jetzt völlig bescheuert? Warten mit dem Autokauf, bis man das Geld dafür zusammen hat? Muss ich doch nicht, gibt ja Kredite. Warten mit dem Kauf der Schuhe, bis die anderen zu klein oder kaputt sind? Warten mit der Anschaffung eines neuen Mantels, obwohl der aus dem letzten Jahr noch gut ist? Warten, bis man zum Einkaufen kommt statt gleich morgen das heute Bestellte geliefert zu bekommen? Immerhin dauert eine Schwangerschaft immer noch 9 Monate, das wurde noch nicht beschleunigt…

Nein, Warten ist unmodern. In der Bibel wird uns über das Warten, über Weihnachten, über das Kommen des Retters auch einiges erzählt. „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“, schreibt Paulus an eine Gemeinde in der Türkei. Und so lange warteten die Menschen schon? Ja, über 1000 Jahre lang.

Was für eine Zeitverschwendung! Diese ganzen Menschen in diesen 1000 Jahren hatten doch auch die Hoffnung, den Retter zu sehen. Warum musste das so lange dauern? Ja, das stimmt schon. Allerdings betraf diese Sehnsucht wohl sicher nicht alle Leute. Denn mal ehrlich: Wir heute wissen alle mehr oder weniger über Jesus. Sie z.B. haben eben gerade gelesen, dass er als Retter zu uns gekommen ist.

Und? Und wenn wir es wollten, könnten wir in Gottes Wort, in der Bibel, die ganze Wahrheit erfahren, über uns und über ihn. Und WER genau liest nun in dem Buch? Und WEN interessiert es, dass Gottes einziger Sohn zu uns kam?

Also, Sie sehen, es scheint nicht Gottes Problem zu sein, dass er die Zeit verpasst hätte. Eher verpassen wir doch ständig seine Nähe und Güte und erkennen nicht, wie liebevoll er unser Leben begleitet.

Heute ist Weihnachten eher das Warten Gottes auf uns. Denn nach wie vor kommt er, sucht uns. „Alle Jahre wieder…“ Und – hätten Sie eine Antwort für ihn? Vielleicht so etwas wie „Happy birthday, Jesus!“ ? 🙂